Uhrenbeweger was ist das?

Als ich ein kleines Kind war, bin ich viele Male in das Arbeitszimmer meines Opas gegangen und habe stundenlang die seltsamen Geräte betrachtet, die seine Armbanduhren bewegt haben. Der Sinn dieser Geräte ist mir damals nicht eingeleuchtet, ich habe sie in meiner kindlichen Naivität stets als Fahrgeschäfte für Uhren bezeichnet. 

Ein wahrlich formschönes Modell eines Uhrenbewegers: Das Modell Sindelfingen von Klarstein

Modell Sindelfingen von Klarstein ein schöner Uhrenbeweger
©www.klarstein.de

Was macht ein Uhrenbeweger?

Knapp 30 Jahre später ist mir sehr wohl bewusst, das es sich bei den sonderbaren Apparaturen im Arbeitszimmer meines Opas um Uhrenbeweger handelte. Doch an der damaligen Fragestellungen ob man Uhrenbeweger tatsächlich benötigt, scheiden sich nach wie vor die Geister. Da man diese Frage nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten kann, muss ich an dieser Stelle etwas ausholen.

Doch bevor wir uns der Sinnhaftigkeit widmen, geht es zunächst darum zu klären, was ein Uhrenbeweger macht. Wie der Name schon vermuten lässt bewegt er Uhren, um präzise zu sein Automatikuhren. Denn Automatikuhren werden durch kinetische Energie, also Bewegungsenergie angetrieben. 

Der Rotor einer Automatikuhr der durch die Bewegungen des Handgelenks in Schwung gesetzt wird, zieht bei einer Automatikuhr eine Feder auf, die wiederum die Uhr antreibt. Für Uhren mit Quarzuhrwerk oder mit Handaufzug kommt ein Uhrenbeweger also demnach nicht in Frage, da diese die Energie zum Antrieb der Uhr nicht über Bewegungsenergie beziehen. Der Uhrenbeweger übernimmt bei Automatikuhren die Funktion des Handgelenks und bewegt die Uhr, so dass der Rotor in Bewegung gesetzt wird. Dies geschieht durch ein Drehung der Uhr um die Rotorachse des Uhrenbewegers.

Der Rotor dieser Nomos Club Automatic ist dank des Glasbodens gut sichtbar

Die Rückseite der Nomos Club Automatic gibt den Werk auf das Uhrwerk frei

Was bringt ein Uhrenbeweger?

Nach dem die Frage nach der Funktionsweise von Uhrenbewegern beantwortet ist, kommen wir nun zum Kern dieses Artikels: Was bringt ein Uhrenbeweger? bzw. benötigt man einen Uhrenbeweger wenn man im Besitz einer Automatikuhr ist?

Der Vorteil eines solches Geräts liegt natürlich klar auf der Hand. Die Uhr wird permanent in Bewegung gehalten und bleibt daher auch bei längerem Nicht-Tragen in Funktion. Dadurch entfällt das Stellen der Uhr auch wenn man diese mal für mehrere Tage oder Wochen nicht getragen hat. Besitzt man allerdings nur eine Automatikuhr und trägt diese täglich, kommt dieser Vorteil nicht zur Geltung, vorausgesetzt natürlich die Uhr verfügt über eine Gangreserve die die Ruhephasen übersteigt.

Durch die Bewegung der Uhr werden auch die sonstigen Komplikationen der Uhr in „Betrieb“ gehalten. Diese einzustellen kann unter Umständen deutlich aufwändiger sein als das Stellen der Uhrzeit. Je nach Modell ist das Umstellen der Datumsanzeige oft schon eine Herausforderung. Wirklich komplex wird es dann aber bei Komplikationen wie einem ewigen Kalender oder der Mondphase. Der Stellvorgang ist hier oftmals nicht trivial und die Ersparnis dessen durch einen Uhrenbeweger ist für viele Besitzer eines solchen Zeitmessers ein angenehmer Nebeneffekt. 

"Wir müssen die Zeit als Werkzeug benutzen, nicht als Couch."
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Verhindert Uhrenbeweger verharzen der Uhr?

Neben der Argumentation der Bequemlichkeit führen viele auch noch die erhöhte Beständigkeit bzw. die Schonung einer Uhr durch den Uhrenbeweger an. Oftmals wird mit dem Argument geworben, dass das Uhrenöl durch die ständige Bewegung nicht verharzt. Dieses Argument trifft grundsätzlich auch zu, jedoch werden circa seit den 1950er Jahren keine mineralischen oder tierischen Öle bei Uhren eingesetzt, sondern nur noch synthetische Schmiermittel. 

Und diese sind für das sogenannte Verharzen nicht mehr anfällig. Und selbst wenn Sie noch ein solches Schmuckstück, d.h. eine Uhr aus den 1950er Jahren besitzen sollten, zählt dieses Argument höchstwahrscheinlich nicht mehr. Denn bei einer Revision werden auch die Uhrenöle getauscht und selbst in so einem historischen Modell befindet sich daher aller Wahrscheinlichkeit nach ein modernes, synthetisches Öl.

Ein schöner Uhrenbeweger in Aktion

#spinnlerschweizer #Bernhard Favre #Uhrenbeweger lässt die #IWC #Portugieser 8Tage nicht zum Stillstand kommen.

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Uhrenbeweger was beachten?

Sollten Sie sich, wie oben erklärt aus Gründen der Bequemlichkeit, für den Kauf eines Uhrenbewegers entscheiden, gilt es ein paar Dinge zu beachten. Grundsätzlich sollten Sie hier nicht nach den allerbilligsten Modellen greifen, denn diese sind oftmals nur von kurzer Lebensdauer und darüber hinaus auch nicht der Langlebigkeit Ihrer Uhr zuträglich. Der Uhrenbeweger sollte über wählbare Programmer verführen und die Umdrehungen pro Tag sollten sich zwischen 650 und 900 Umdrehungen einstellen lassen.

Diese Angabe ist oftmals mit TPD abgekürzt was aus dem Englischen kommt und „Turns per day“ bedeutet. Zudem sollte sich die Richtung des Uhrenbewegers einstellen lassen. Bei den Anleitungen von guten Uhrenbewegern sind empfohlene Einstellungen für die gängigsten Uhrenmarken und Modelle enthalten. Denn jedes Automatikuhrwerk hat natürlich andere Anforderungen was die Drehungen pro Tag und die Richtung angeht.

Für Ihren eigenen Komfort sollten Sie darüber hinaus auf die Lautstärke und evtl. eine Ruhefunktion (z.B. für die Nacht) achten. High-End Uhrenbeweger lassen sich heutzutage über eine App steuern. Dann bewegen Sie sich allerdings in Preisregionen bei denen sich die Frage stellt, ob Sie sich für diesen Preis nicht gleich eine neue Automatikuhr anschaffen sollten.

Fazit: Uhrenbeweger pro und contra

Wenn Sie mich nach meiner persönlichen Meinung fragen, spricht mehr gegen die Anschaffung eines Uhrenbewegers als dafür. Die einzigen Gründe die man rational pro Uhrenbeweger gelten lassen kann, ist der Komfortgewinn bei Komplikationen wie einer Mondphase oder einem ewigen Kalender. Diese Uhren sind zudem meist so hochpreisig dass der Besitzer mit den Kosten, die durch den erhöhten Verschleiß anfallen, wahrscheinlich auch leben kann. Ansonsten sprechen nüchtern betrachtet alle Gründe gegen den Kauf eines Uhrenbewegers. Durch die erhöhte Bewegung verschleißt die Uhr schneller, was erhöhte Wartungskosten nach sich zieht.

Doch alle rationale Gründe außer Acht lassend, ist ein Uhrenbeweger natürlich eine faszinierende Angelegenheit. Nicht umsonst habe ich als Kind Stunden um Stunden vor diesen Geräten verbracht. Gerade Modelle aus Wurzelholz sind auch optisch ein echter Hingucker und schmücken auch ein Wohnzimmer. Wie bei so vielen Dingen im Leben spricht die Ratio gegen den Kauf eines Uhrenbewegers, spöttisch werden sie auch als Uhrenverschleißer bezichnet, doch das ästhetisch geprägte Herz hat ausreichend Gründe um die kühle Ratio zu überstimmen.