Uhrenpflege: Uhrenarmbänder aus Leder reinigen und mehr

Egal ob man sich gerade für eine nagelneue Uhr vom Konzessionär entschieden oder eine Vintage-Uhr erworben hat, die Pflege der Uhr spielt für alle Uhrenbesitzer und Sammler eine wichtige Rolle. Schließlich möchte man den Zustand in dem man sie erworben hat, möglichst lang erhalten.

Die Pflege und Reinigung von Uhren wird in den einschlägigen Blogs und Magazinen eher stiefmütterlich behandelt. Dies ist durchaus nachvollziehbar, denn natürlich erscheint es auf den ersten Blick attraktiver, sich mit den neuesten Modellen zu beschäftigen, anstatt beispielsweise über die Reinigung von Stoff-Uhrenarmbändern zu berichten.

Dabei muss man vor der Uhrenpflege überhaupt keine Scheu haben, denn wie dieser Artikel zeigt, sind die entsprechenden Artikel vergleichsweise erschwinglich und einfach in der Anwendung.

Hausmittel zur Uhrenpflege

Wenn man mit der Recherche zum Themenkomplex Uhrenpflege beginnt, stößt man schnell auf die abenteuerlichsten Empfehlungen. Sehr beliebt scheint der Einsatz von Zahnpasta zu sein, um die Uhr zu reinigen, aber auch um Kratzer zu entfernen. An dieser Stelle muss ich zugeben, dass ich bei einem Smartphone selber schon einmal das „schleifen“ mit Zahnpasta ausprobiert habe – mit bescheidenem Erfolg.

Leseempfehlung

Bei meinen Uhren würde ich solch ein Experiment jedoch in keinem Fall wagen. Schließlich gibt es auch in diesem Bereich Spezialshops die das perfekte Equipment anbieten. Eine der ersten Adressen für mich ist hier der Shop Watchparts24.de, der die Produkte in diesem Artikel zur Verfügung gestellt hat.

Neben den hier erwähnten Utensilien, findet man bei Ernst Westphal, so der offizielle Name des Shops, zudem zahlreiche Ersatzteile und professionelles Uhrmacherwerkzeug. Von Kronen über Zifferblätter, bis hin zu Faltschließen, wird hier wirklich alles angeboten, was das Uhrenherz begehrt. In der Fachsprache wird Ernst Westphal als Furniturist bezeichnet. Was sich hinter diesem Begriff verbirgt und warum nicht nur ich von dem Angebot beeindruckt bin, kann man bei dem Uhrenblog Zeigr nachlesen.

Uhrenarmbänder reinigen

Das Uhrenarmband ist erfahrungsgemäß der Teil einer Uhr der am häufigsten einer Reinigung bedarf. Gerade bei Uhrenarmbändern aus Leder oder Stoff, sammelt sich schnell Schweiß, Sonnencreme oder Mückenspray auf dem Armband, was dann insbesondere im Sommer schnell zu einem unangenehmen Film führt. Mit einer Reinigung aus Wasser ist es hier nicht getan, denn dieses entfernt die Rückstände von Sonnencreme & Co nicht ausreichend.

Bei Metallarmbändern ist die Verschmutzung erfahrungsgemäß weniger sichtbar, da diese einfach graduell an Glanz verlieren. Daher wird den Trägern oft erst nach der Reinigung, wenn das Milanaise- oder Gliederarmband wieder in neuem Glanz erstrahlt, bewusst wie viel Schmutz sich auch hier im Lauf der Zeit ansammelt.

Leseempfehlung

Ernst Westphal bietet hierfür zwei Lösungen an, zum einen das sogenannte Tauchbad für Uhrenarmbänder, welches für Kautschuk- und Silikonbänder sowie Metallarmbänder geeignet ist.

Das Versuchsobjekt: eine Uhr mit dunkelblauem Ledearmband

Reinigungsspray für Uhrenarmbänder aus Leder

Bei der zweiten Lösung handelt es sich um ein Reinigungs-Spray, welches neben den zuvor beschriebenen Einsatzgebieten, auch zur Reinigung von Lederarmbändern geeignet ist. Ich beginne den Test mit der Uhr meiner Freundin, die sich an einem Lederarmband befindet und nahezu rund um die Uhr an ihrem Handgelenk ist. Das Band ist nicht sichtbar dreckig, hier hilft sicherlich auch die dunkle Farbe, beim Anfassen spürt man aber deutlich einen Film.

Praxistest: Spray zur Reinigung von Lederarmbändern

Laut der Website von Watchparts24.de ist die Anwendung des Reinigungssprays kinderleicht, einfach den Watchclean Schaum aufsprühen und dann 5-10 Minuten einwirken lassen. Ich entferne zunächst das Uhrenarmband, dank des Schnellwechselsystems, in kürzester Zeit vom Gehäuse und sprühe es anschließend mit dem Spray ein. 

Die Flasche wirkt auf den ersten Blick klein, doch nach 2 Sprühstößen pro Seite ist das Uhrenarmband mit einem leichten Schaum bedeckt und die Flasche gefühlt noch nahezu voll. Ich nehme an, dass die 30ml Reinigungsflüßigkeit in der Flasche für mindestens 10 Anwendungen reichen.

Das Spray entwickelt sich beim Auftragen zu einem Schaum

Reinigungsschaum für Leder-Uhrenarmbänder

Nach 5 Minuten entferne ich den Schaum mit einem Küchentuch. Ich achte darauf, ob hier ein Farbabrieb zu erkennen ist, was auf ein zu aggressives Mittel hindeuten würde, aber erkenne nichts dergleichen.

Nach dem Abwischen merke ich beim Anfühlen des Lederbands sofort, dass es wieder „griffiger“ ist, der Film aus Staub, Schweiß und Hauptpartikeln konnte also erfolgreich beseitigt werden. Bei genauerer Betrachtung fällt zudem auf, dass die Stellen die zuvor das Licht weniger stark reflektiert haben, sich dem Rest des Bandes wieder angeglichen haben.

Ein positiver Nebeneffekt mit dem ich erst nicht gerechnet hatte ist der Geruch. Das Band riecht wieder wie neu, nach einem Mix aus Citrusnoten.

Im Shop Watchparts24.de kostet das Reinigungsspray Watchclean lediglich 7,95€, eine Investition die ich jedem Uhrenbesitzer empfehle. Natürlich lässt sich bei Lederbändern die regelmäßig getragen werden, ein Austausch zu einem gewissen Zeitpunkt nicht verhindern. Aber mit diesem kleinen Fläschchen kann die Freude definitiv verlängert werden. Zudem ist die olfaktorische Frische ein wirklich positiver Nebeneffekt.

Profilösung: Tauchbad zur Uhrenreinigung

Als zweiten Teil des Selbstexperiments versuche ich mich nun dem großen Bruder des Sprays: dem Tauchband für Uhrenarmbänder und Schmuckstücke von Watchclean. Der Hersteller wirbt damit, dass diese Intensivreinigung eine Ultraschall-Reinigung, wie sie bei Uhren auch eingesetzt wird, obsolet macht. Diesen Test führe ich nicht mit einem Uhrenarmband durch, sondern mit Manschettenknöpfen. Diese besagten Manschettenknöpfe haben schon einige Jahre auf dem Buckel und wie auf dem Foto ersichtlich, ist der Glanz über die Jahre verloren gegangen.

Die Protagonisten des zweiten Tests: Manschettenknöpfe, denen der Glanz über die Jahre abhanden gekommen ist

Reinigen von manschettenknöpfen

Das Anwendungsprinzip ist vergleichbar mit dem Spray. Zunächst wird der Deckel entfernt und das zu reinigende Schmuckstück eingelegt. Wenn man ein Uhrenarmband reinigen möchte, muss dies natürlich zuerst vom Gehäuse demontiert werden.

Nachdem der Deckel dieses Tauchbads wieder verschlossen ist, wird der Behälter auf den Kopf gestellt und wie bei einer Sanduhr rinnt die Reinigungsflüßigkeit dann in den Teil, der sich nun auf dem Boden befindet. In meinem Fall machen die Manschettenknöpfe also im wahrsten Sinne des Wortes einen Tauchgang. Die Entnahme der Schmuckstücke funktioniert nach dem gleichen Prinzip. Als Einwirkzeit werden, wie beim Reinigungsspray, ebenfalls 5-10 Minuten angegeben.

Der Reinigungseffekt funktioniert genauso tadellos wie beim Lederarmband zuvor, der optische Effekt ist an den Metallflächen erwartungsgemäß deutlich stärker sichtbar, im Vergleich zu dem weniger reflektierendem Lederarmband.

Glänzen wieder nach der Reinigung: Bei Schmuckstücken aus Metall wird der Unterscheid optisch sehr deutlich

Neuer Glanz für Manschettenknöpfe

Mit 16,95€ ist das Tauchband zur Uhrenreinigung circa doppelt so teuer wie das Spray, von der Anwendung jedoch auch ein Stück weit komfortabler.

Da das Tauchbad im Vergleich zum Spray nicht zur Reinigung von Lederuhrenarmbändern empfohlen wird, würde ich mir persönlich tatsächlich beide Utensilien zulegen. Zudem das Tauchbad natürlich auch für Ringe, Ohrringe & Co eingesetzt werden kann.

Uhr vor Kratzern schützen mit NanoTec Watchguard

Den Abschluß meiner Pflegeserie bildet ein echtes HighTech-Produkt: Eine Nanoschicht von Watchguard, die Metalle und Uhrenglas vor Kratzern und Oxidation schützen soll. Der Hersteller wirbt damit, dass diese Schicht für alle Metalle geeignet, optisch nicht sichtbar ist und auch vor Oxidation und Verfärbung schützt. Letztere Eigenschaft ist zum Beispiel für Besitzer von Bronzeuhren oder Schmuckstücken aus Messing besonders relevant, die sich durch Oxidation stark verfärben können.

Eine Vintage-Uhr die im dritten und finalen Teil mit einer Schicht Watchguard NanoTec vor Kratzern geschützt werden soll 

Watchguard härtet Metalle

Die Anwendung ist denkbar einfach: die Flüßigkeit mit einem Pinsel, vergleichbar wie bei Nagellack, auftragen und dann 5 Minuten einwirken lassen. Im Anschluß mit einem mitgelieferten Tuch trockenreiben und so die Reste entfernen. Tatsächlich sieht man auch bei genauerem Hinsehen keine Veränderung und keine störende Schicht, genau wie vom Hersteller angegeben. Eine Aussage ob die Behandlung nun wirksam war, kann man zumindest aufgrund einer optischen Veränderung, demnach logischerweise nicht treffen.

Die Nano-Schicht legt sich unsichtbar auf die Uhr, wie hier bei dem Nachher-Bild ersichtlich

Cartier Santos mit Nanobeschichtung
Daher mache ich mich kurz schlau zur Funktionsweise der Nano-Beschichtung. Die Theorie dahinter ist, dass alle Oberflächen feinste Unebenheiten haben, die für das bloße menschliche Auge nicht sichtbar sind, jedoch eine Eintrittspforte für störende mechanische und chemische Einflüsse sind.Die Nanoschicht gleicht diese feinen Kratzer aus und macht das Metall bzw. Glas so resistenter gegen Kratzer und Oxidation. Das bedeutet logischerweise nicht, dass man die Uhr nun unbeschadet von der Spitze des Eiffelturms fallen lassen kann, aber wenn dadurch kleinere Kratzer verhindert werden können, ist es das aus meiner Sicht auf alle Fälle wert.Da ich leider keine unbegrenzte Anzahl von Uhren zur Verfügung habe, um ein ausführliches Experiment durchzuführen, wie sich die Nano-Schicht im Alltag auswirkt, glaube ich an dieser Stelle der Wissenschaft. Mit knapp unter 10€ ist diese Nano-Schicht beileibe eine überschaubare Investition und für Träger von Uhren oder Schmuckstücken, die schnell zur Verfärbung neigen, eine sehr sinnvolle Behandlung zum Schutz.

Uhrenreinigung und Pflege: Einfach und günstig

Am Ende meines kleinen persönlichen Tests zur Reinigung und Pflege von Uhren, bleiben bei mir vor allem zwei Eindrücke: Die Kosten für die Profi-Mittel sind nahezu verschwindend gering, gegenüber dem Erwerb einer Uhr. An dieser Stelle auf Hausmittel zu setzen, ist aus meiner Sicht ein völlig unnötiges Risiko.

Zudem ist die Anwendung einfach und man braucht keine Angst haben, die Uhr oder das Uhrenarmband zu beschädigen. Die Reinigung und Pflege ist also definitiv ein Thema, mit dem sich jeder Uhrenenthusiast beschäftigen sollte. Ein guter Einstiegspunkt um diese Reise zu beginnen, ist hier sicherlich der Online-Shop von Ernst Westphal.