Ferdinand & David: Sommer, Sonne, Travelmaster!

Ich unterteile meine Begeisterung für jedes Uhrmodell grundsätzlich in zwei Phasen und zwar in vor und nach dem Kauf. Eine Vielzahl der Modelle ist aufgrund meines Budgets oder, um es von der anderen Seite zu betrachten, des zu hohen Preisschilds, leider bis in alle Ewigkeiten in der Vor-Kauf-Phase gefangen.

Doch bei den Modellen die beide Phasen durchlaufen, habe ich eine interessante Beobachtung gemacht. In der Vor-Kauf-Phase habe ich für alle Uhren in etwa die gleiche Begeisterung. Für die exklusiveren Modelle vielleicht etwas mehr, da der Sparvorgang dementsprechend länger gedauert hat.

In der Nach-Kauf-Phase jedoch, hat sich meine Zuneigung dann je nach Modell unterschiedlich entwickelt. Die grundsätzliche Begeisterung ist nach wie vor für alle meine Uhren vorhanden, aber eben in unterschiedlicher Ausprägung. So kommt es dann, dass sich ein Modell deutlich öfter am Handgelenk befindet als ein anderes. Und hier konnte ich bislang keinen Zusammenhang zwischen Kaufpreis und Handgelenkszeit erkennen.

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Ein Modell das exemplarisch für dieses Phänomen steht ist die Travelmaster von Ferdinand & David. Bis auf den Zeitraum nach dem Erwerb meiner ersten Automatikuhr überhaupt, und hier schiebe ich es vor allem auf die grundlegende Faszination des Mechanismus, habe ich in den vergangenen Tagen so oft auf mein Handgelenk geschaut wie nie zuvor. Schuld daran ist dieses wunderschöne Zifferblatt der Travelmaster. Je nach Lichteinfall und Betrachtungswinkel erscheint es in einem anderen Blauton und ich kann mich einfach nicht daran satt sehen. Doch bevor ich meine Schwärmereien für das Design ausführe, erst einmal der Reihe nach.

Ferdinand & David: jung aber mit großen Zielen

Um die Geschichte der Uhrenmarke Ferdinand & David zu erzählen, müssen wir gar nicht so weit in die Vergangenheit reisen, denn die Gründung der Newcomer-Marke erfolgte erst 2016. Am Anfang stand der Wunsch der beiden Gründer nach einer bezahlbaren, hochwertigen und natürlich schönen Uhr.

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Und genau ein solches Exemplar zu finden ist gar nicht so einfach. Auf der einen Seite hat man Exemplare wie Daniel Wellington oder Kapten & Son, die zwar durchaus elegant sind, aber wo es schwierig ist einen nachvollziehbaren Zusammenhang zwischen Warenwert und Herstellungskosten zu finden. Auf der anderen Seite der Preisskala befinden sich natürlich die üblichen Verdächtigen mit Rolex, Omega & IWC aber obwohl das unbestritten in den meisten Fällen allerhöchste Handwerkskunst ist, sind das natürlich keine Marken für den Otto-Normalverdiener.

Die beiden Gründer von Ferdinand & David: Julius Möhrle und Lennart Schulz

Und genau hier setzt Ferdinand & David an: Qualitativ ausgezeichnete Uhren, die bezahlbar sind und darüber hinaus durch Funktionalität und Design überzeugen. Diese Mission sind die beiden Gründer Julius Möhrle und Lennart Schulz im Übrigen ohne externes Kapital angegangen. Um die Geldbeutel der beiden Studenten nicht unnötig zu strapazieren erfolgte nach der ersten Entwicklungsphase dann eine Kickstarter-Kampagne bei der die Travelmaster noch einmal weiterentwickelt wurde.

Bei dieser Kampagne haben die beiden Gründer schnell gemerkt, dass sie mit Ihrem Wunsch nach einer qualitativ hochwertigen Uhr für die Masse nicht alleine sind: 17.341€, und damit deutlich mehr als die ursprünglich angestrebten 10.000€, konnten so in kürzester Zeit eingesammelt werden.

Der Name Ferdinand & David leitet sich im Übrigen aus den zweiten Vornamen der Gründer ab, die das Unternehmen noch während Ihrer Studentenzeit gegründet haben. Einen besseren Einstieg in das Berufsleben kann man sich wohl kaum vorstellen. Und wenn man ein bisschen zwischen den Zeilen liest, scheint die Travelmaster, das erste Modell, erst der Anfang zu sein. Denn auf der Homepage geben Sie an sich auf die Entwicklung neuer Modelle zu konzentrieren – wir sind gespannt was da noch alles in Zukunft von der jungen Uhrenmarke aus Hamburg kommt!

Das Design der Travelmaster zeigt Liebe zum Detail

Bevor ich auf das Design der Uhr zu sprechen komme, möchte ich erst einmal mit der Verpackung beginnen. Ich kann die Faszination von sogenannten Unboxing-Videos normalerweise nur bedingt nachvollziehen aber bei der Travelmaster hat die Box auf alle Fälle Aufmerksamkeit verdient. Aufgrund persönlicher Erfahrungen hatte ich eine Erwartungshaltung was mich bei der Verpackung erwarten würde. Mehr als bei einer Daniel Wellington, aber natürlich deutlich weniger als bei einer Schweizer Luxusuhr wo man an das Preisschild, im Vergleich zur Travelmaster, eine Null hinten dranhängen kann.

Was mich dann aber bei der Ferdinand & David Travelmaster erwartet hat, hat meine Erwartungshaltung deutlichst übertroffen und befand sich auf einem sehr vergleichbaren Niveau mit dem Schweizer Luxusuhrenhersteller. Da ich auch Erfahrungswerte hinsichtlich Verpackungswerten in der Ferdinand & David-Preisklasse habe werte ich das als Pluspunkt für das Hamburger Uhren Start-Up und nicht als Malus gegenüber dem Schweizer Hersteller.

Das Bild oberhalb vermittelt einen guten Eindruck wie wertig die Verpackung ist. Die abgebildete Box mit Klavierlack befindet sich im Übrigen innerhalb eines ebenfalls sehr hochwertigen schwarzen Kartons den das rote Logo ziert. Und das Ganze fühlt sich auch genauso hervorragend an wie es aussieht.

Travelmaster: 4 Varianten in perfekter Proportion

Doch nun zum eigentlichen Betrachtungsgegenstand des Artikels: Der Travelmaster von Ferdinand & David. Das Modell ist in vier verschiedenen Varianten erhältlich: Beim Zifferblatt kann man zwischen Atlantikblau und Carbonschwarz wählen und beim Gehäuse trifft man die Entscheidung zwischen Silber und Roségold. Weitere Individualisierungsmöglichkeiten bietet das Uhrenarmband: Zum einen hinsichtlich der Länge (Normal/Lang) aber auch hinsichtlich Maserung des Leders (glatt/gemasert) und der Farbe (braun/schwarz). Ich persönlich habe mich für das silberne Gehäuse mit blauem Zifferblatt und dem braunen Lederarmband mit Maserung entschieden.

Mein Exemplar der Travelmaster von Ferdinand & David: Silber/Atlantikblau mit braunem Armband mit Maserung

Ferdinand & David mit dunkelblauem Zifferblatt

Bevor ich wieder emotional bei der Beschreibung des Zifferblatts werde zunächst einmal die nüchternen Fakten: Die Uhr hat einen Durchmesser von 42mm und trägt sich von der Größe genauso wie erwartet. Zur Gehäusehöhe habe ich keine offizielle Angabe gefunden, mein händischer Messvorgang mutmasst 11mm. Das harmoniert ausgezeichnet mit dem Durchmesser und verleiht der Uhr perfekte Proportionen.

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Das Uhrenarmband ist aus Kalbsleder und hält haptisch was es optisch verspricht. Wie bei vielen neueren Uhrenmarken setzt man auch hier auf ein Schnellwechselsystem was aus Sicht des Verbrauchers sehr zu begrüßen ist. So kann man wirklich innerhalb von Sekunden und ohne Werkzeug auf ein anderes Band wechseln.

Eine Ausnahme in dieser Preisklasse: Saphirglas statt Mineralglas

Doch nun genug des Ausweichens: Wir gelangen zum Kernstück. Das Zifferblatt wird von einem kratzfesten Saphirglas geschützt und hier ist schon der erste wesentliche Unterschied zu den Modemarken. Mineralgläser wie sie üblicherweise bei Uhren im Preissegment bis 300€ zum Einsatz kommen sind deutlich günstiger aber haben qualitativ aufgrund ihrer Kratzanfälligkeit deutliche Nachteile. Für mich im Regelfall ein Ausschlusskriterium da sich Kratzer fast nicht vermeiden lassen und doch ein erheblicher optischer Makel sind.

Das Gehäuse ist aus Edelstahl, wobei der untere Teil eine gebürstete Optik aufweist und der Ring der das Saphirglas fixiert poliert ist. Durch diese beiden unterschiedlichen Finishes bekommt die Uhr mehr Tiefe und Spannung durch den Kontrast. Ein erstes Designhighlight findet sich an der Gehäuseaußenseite: die Krone.

Absolut resistent gegen Kratzer: Ferdinand & David setzt auf Saphirglas um das wunderschöne Zifferblatt zu schützen

Ferdinand & David Travelmaster mit blauem Zifferblatt

Ich habe immer angenommen, dass man die hier verwendete Kronenform als Zwiebelkrone bezeichnet, aber meine Recherche hat mich eines besseren belehrt. Man spricht von einer Kegelkrone. Diese ist der Zwiebelkrone recht ähnlich aber ist quasi bei 4/6 der Zwiebelform abgeflacht. So oder so: Diese Krone, auf der sich das rote Firmenlogo schön abhebt, ist wirklich außergewöhnlich gut gelungen. Hier sieht man, dass die Gründer sich wirklich mit jedem Details beschäftigt haben. Ich hätte auch an einer Standard-Krone nichts auszusetzen gehabt, doch genau diese Lösung ist einer der Gründe warum sich die Uhr deutlich vom Standard abhebt.

Zifferblatt der Travelmaster: Ein Traum in Atlantikblau

Schlußendlich bleibt noch das Zifferblatt. Dieses ist im Farbton Atlantikblau gehalten, der sich, wie eingangs erwähnt, je nach Lichteinfall verändert. Auf Fotos ist dies sehr schwierig einzufangen daher empfehle ich sich die Modelle unbedingt in Natura anzuschauen. Meines Erachtens erscheint das Zifferblatt vom Farbton auf den Fotos oft einen Tick heller als am Handgelenk.

Die Indizes bestehen aus arabischen Ziffern mit Strichen als 10-Minuten-Markierungen. An der 12-Uhr-Position befindet sich, ein Stilelement aus dem Bereich der Fliegeruhren, ein Dreieck das den Piloten damals zur Orientierung gedient hat. Dank der klaren Ziffern und des insgesamt aufgeräumten Zifferblatts ist die Ablesbarkeit der Uhr exzellent. Dank der Leuchtmasse in den Zeigern gilt dies übrigens auch für die Nacht.

An der Drei-Uhr-Position des Zifferblatts befindet sich darüber hinaus ein Datumsfeld das weiß umrahmt ist. Genau wie die Krone, ein weiteres kleines aber feines Designmerkmal. Datumsfelder stören meiner Meinung nach oft die Harmonie eines Zifferblatts da sich sich nicht auf gleicher Ebene befinden. Mit der weißen Umrahmung tritt dieser Effekt aber nicht ein.

Letztes Gestaltungsmerkmal ist das Logo und die Inschrift Hamburg Travelmaster die sich unterhalb der 12-Uhr-Markierung befinden. Insgesamt also ein sehr klares und aufgeräumtes Zifferblatt.

Der Stunden- und Minutenzeiger sind wohlproportioniert aber aufgrund ihrer Dicke doch präsent und bilden mit dem aufgeräumten Zifferblatt ein positives Spannungsverhältnis. Das Uhrenlexikon legt eine Einordnung zwischen den Zeigerformen Losagne sowie Feuille nahe. Was auch immer davon zutrifft, die Zeigerform ist ein weiteres Indiz dass bei der Entwicklung der Travelmaster über jedes Detail nachgedacht wurde.

GMT-Uhr: Weltmännigkeit in Person

Doch damit sind wir noch nicht am Ende. Die Uhr besitzt über eine GMT-Funktion, kann also parallel eine zweite Zeitzone anzeigen. Dies geschieht mittels eines roten Zeigers und einer zweiten 24-Stunden-Skala die das plane Zifferblatt schräg umschließt. Aufgrund des Winkels erscheint die GMT-Skala meist etwas heller vom Farbton und gibt der Uhr eine zusätzliche Tiefe, ich vermute aber dies liegt tatsächlich am Winkel und der Farbton ist der selbe.

Schön zu erkennen: Die GMT-Skala die aufgrund des unterschiedlichen Lichteinfalls ein bisschen heller wirkt

GMT-Skala der Travelmaster

Die GMT-Funktion ist, meinem persönlichen Geschmack nach, die begehrenswerteste Komplikation bei einer Uhr. Zum einen da die Anzeige einer zweiten Zeitzone echt praktisch ist. Wenn zum Beispiel Freunde oder Familie in einer anderen Zeitzone leben oder man auf Reisen ist, weiß man auf einen Blick wieviel Uhr es am anderen Ort ist. Über den praktischen Nutzen hinaus vermittelt es aber auch einen Flair von Weltmännigkeit. Der Träger (und natürlich auch die Trägerin) befinden sich stets zwischen zwei Zeitzonen und leben auf mehr als einem Kontinent. Passenderweise ist auf der Gehäuserückseite eine Weltkarte mit einem Globus und einem Flugzeug eingraviert.

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Zum Abschlus des Kapitel Design noch ein paar kurze Worte zur Verarbeitungsqualität. Die Uhren von Ferdinand & David werden in Deutschland in Handarbeit hergestellt und hier scheinen Hände mit Liebe zum Detail am Werk zu sein. Auch mit Argusaugen habe ich keine Stelle entdeckt wo ein „da hätte man aber sauberer arbeiten können“ angepasst wäre.

Auch bei der Technik schreibt Ferdinand & David Qualität groß

Das Kapitel Technik können wir an dieser Stelle recht kurz halten da sich ein Quarzuhrwerk im Inneren der Travelmaster befindet. In diesem Falle ein Exemplar des Schweizer Herstellers Ronda. Damit wurde auch an dieser Stelle auf Qualität geachtet. Da ein Quarzuhrwerk technisch deutlich simpler ist als ein Automatikuhrwerk, kommt der Auswahl des Uhrwerks in diesem Fall nicht eine ganz so hohe Bedeutung hinzu. Aber auch hier macht sich Qualität bezahlt.

Dies fängt an bei der Ganggenauigkeit und reicht bis zu der Batterielebenszeit under Lebensdauer des Werkes selber. Umso hochwertiger die Einzelkomponenten umso weniger verschleissanfällig und somit eine umso längere Lebenszeit. Der entscheidende Punkt ist für mich aber die servicefreundliche Konstruktion: Dieses Werk ist reparabel und kann zu Ferdinand & David eingeschickt und repariert werden. Sollte es also einmal Probleme geben, ist das in diesem Fall kein Beinbruch.

Auch in der Nacht besticht die Travelmaster durch exzellente Ablesbarkeit (Abbildung zeigt ein Vorgängermodell)

Wie selten dies vorkommen dürfte, zeigt das Selbstbewusstsein der Gründer die 5 Jahre Garantie auf Ihre Zeitmesser geben. Das zeigt dass man von dem eigenen Konzept, in allen Belangen auf Qualität zu setzen, überzeugt ist und auch zu seinem Versprechen, hochwertige Uhren zu bezahlbaren Preisen anzubieten, steht.

Um das Kapitel Technik abzuschließen sei außerdem noch darauf hingewiesen, dass die Uhr bis zu 10 Bar wasserdicht ist. Damit ist die Uhr nach internationalen Standards zum Schwimmen und Schnorcheln geeignet. Ein echter Reisemeister bzw. Travelmaster eben!

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von 10 möglichen Punkten

Das gefällt mir an der Ferdinand & David Travelmaster

Wie schon mehrfach ausgeführt kann ich mich an dem Zifferblatt nicht satt sehen. Aber das ist bei weitem nicht das Einzige mit dem die Ferdinand & David Travelmaster punkten kann: Die Krone, das Datumsfeld, die GMT-Funktion, das Saphirglas und die hochwertige Verarbeitung sind weitere Details mit dem sich diese Uhr positiv von den Marktbegleitern abhebt. Hier wird bei Materialien und Fertigung einfach auf Qualität geachtet.

Und das ganze zu einem Preis der aktuell mit knapp über 300€ äußerst erschwinglich ist. Zum Vergleich: Eine Daniel Wellington-Uhr kostet je nach Modell bis zu 169€. Dafür bekommt man Mineralglas, ein sehr günstiges Quarzuhrwerk, Zeiger ohne Leuchtmasse und Massenfertigung in China um nur einige Details zu nennen. Von meiner Seite also eine absolute Kaufempfehlung für die Travelmaster!

Das gefällt mir weniger

Ich habe an dieser Uhr was Design, Materialien und Verarbeitung angeht keinerlei Kritikpunkte. Da ist den Machern von Ferdinand & David ein echtes Schmuckstück gelungen! Vielmehr würde ich mich sehr freuen wenn es die gleiche Uhr zukünftig auch als Automatikversion geben würde.

Denn für alle Fans von Automatikuhren ist das Dilemma dass die beiden Gründer lösen möchten, hochwertige aber bezahlbare Uhren anzubieten, noch viel größer. Hier geht die Schere zwischen Qualitätsführern und Preisführern meiner Einschätzung nach noch viel weiter auseinander als bei Quarzuhren. Wie fantastisch wäre also eine Automatikuhr mit dem bekannten Spitzendesign mit einem ebenso angemessenen Preis-Leistungsverhältnis wie die Quarzschwester? Man wird ja wohl noch träumen dürfen…

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