Uhrentrends: Diese 3 Entwicklungen werden die Branche verändern

T rends und Uhrenbranche: Ist das nicht ein Widerspruch in sich?“ Diese, bewusst provokante gestellte Frage, hat mir ein Interviewpartner in der Recherchephase dieses Artikels, der beruflich in der IT-Branche tätig ist, gestellt.

Zugegebenermaßen assoziiert man das Wort Trends eher mit genau solchen Branchen wie der IT, der Automobilindustrie oder dem Bankensektor. Branchen die durch technologische Entwicklungen vor grundlegenden Veränderungen in ihrem jeweiligen Geschäftsmodell stehen.

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Obwohl das grundlegende Geschäftsmodell in der Uhrenbranche vor keiner absehbaren Veränderung steht, bin ich der festen Überzeugung, dass sich die Branche in den kommenden 5 Jahren stärker verändern wird, als sie es in den vergangenen 30 Jahren getan hat. Und ebendiese Veränderungen haben bekanntlich Ihren Ursprung in Trends. Um also die ursprüngliche Frage meines Interviewpartners wieder aufzugreifen: Trends und Uhrenbranche – das passt sehr gut zusammen!

Warum wird sich die Uhrenbranche grundlegend wandeln?

Da dies kein Tech-Blog ist, lasse ich Smart- und Fitnesswatches üblicherweise komplett außen vor in der Berichterstattung. In diesem Artikel allerdings sind sie Teil der Ausgangssituation in meiner Argumentationskette warum die Uhrenbranche vor tiefgreifenden Änderungen steht.

Brandbeschleuniger der Uhrenbranche: Smartwatches wie die Apple Watch

Apple Watch die gerade bedient wird
Quelle: Photo by Crew on Unsplash

Den Einfluss der Smartwatches auf die traditionelle Uhrenbranche sehe ich nicht in der Gattung an sich, sondern viel mehr in dem Innovationsdruck den diese Branche ausübt. Die Smartwatch sehe ich aus mehreren Gründen als keinerlei direkte Bedrohung für hochwertige, mechanische Uhren, da der Träger grundsätzlich unterschiedliche Erwartungen hat und somit auch andere Nutzungsszenarien vorliegen. Daher betrachte ich Smartwatches in erster Linie als Wearable, also ein tragbares Computersystem, das nach aktuellem Stand der Technik wie eine Uhr am Handgelenk getragen wird.

Smartwatch mit Fokus auf Funktionen vs Identitätsstifter klassische Uhr

Von einer Smartwatch erwartet der Käufer, dass sie seine körperlichen Aktivitäten misst, die Kommunikation erleichtert und mittels verschiedener Apps zahlreiche Zusatzfunktionen bietet. Die Anzeige der Zeit steht hier sicherlich nicht im Fokus. Ein Ausdruck der eigenen Persönlichkeit ist ebenfalls nur begrenzt möglich. Der Markt wird von einem Anbieter (Apple) dominiert, die Persönlichkeit lässt sich eher über das Tragen einer Smartwatch an sich ausdrücken, nicht jedoch über ein spezifisches Modell.

Apple dominiert den Smartwatch Markt mit der Apple Watch

Apple dominiert den Smartwatch-Markt
Quelle: Photo by Crew on Unsplash

Gerade der letztgenannte Punkt steht jedoch bei klassischen Uhren im Vordergrund. Mit der Kaufentscheidung möchte man vom Image der Marke profitieren und der Umwelt signalisieren, dass man ebendiese Markenwerte verkörpert. Bei einer Marke wie Daniel Wellington wäre das zum Beispiel jung, urban und trendbewusst, wohingegen eine Marke wie Rolex Werte wie erfolgreich, dominant und ein gewisses Maß an Konservativität verkörpert.

Hinsichtlich des Hauptnutzens befinden sich Smartwatch und klassische Uhr, egal ob Quartz oder mechanisch, also in keinerlei Konkurrenzsituation. Die gefühlte Konkurrenzsituation entsteht nur durch die Tatsache, dass beide am Handgelenk getragen werden und dieser Platz nun einmal begrenzt ist.

Aus Usability-Sicht ist die Smartwatch, in der aktuellen Form, sicherlich nicht die Ideallösung. Alleine aus dem Grund weil das Display zur Anzeige von Informationen sehr begrenzt ist. Wie die Entwicklung hier voranschreitet ist meiner Meinung nach völlig offen, entweder in Richtung Vergrößerung der Display-Fläche, beispielsweise in Form eines holographischen Displays oder die Entwicklung führt zu einer deutlichen Verkleinerung des Device durch einen Fokus auf Sprachsteuerung.

Smartwaches mit wenig Potential zum Identitätsstifter zu werden

Nun stellt sich natürlich die Frage ob eine Smartwatch, genauso wie beispielsweise eine Rolex, das Potential hat zum Identitätsstifter zu werden. Bei einer Rolex sind es drei Kernmerkmale die sie so prädestiniert als Identitätsstifter machen:

  • Image, Markenbekanntheit und -historie:

    Rolex hat als Marke ein klares Image und steht, seit Jahrzehnten, für oben erwähnte Werte.
  • Exklusivität:

    Aufgrund des hohen Einstiegspreises ist der Kreis der Rolexbesitzer trotz einer extrem hohen Markenbekanntheit sehr exklusiv.
  • Marken- und Modellvielfalt:

    Der dritte Grund ist das Umfeld in dem sich die Marke Rolex befindet. Während man mit dem Kauf einer Rolex oftmals persönlichen Erfolg und Macht demonstrieren möchte, versucht der Besitzer einer Swatch eher Pragmatismus und Trendbewusstsein auszudrücken. Die Vielfalt an Marken und Modellen bei Rolex spiegelt die Vielfalt der Persönlichkeiten wieder die Rolex mit der jeweiligen Uhr ansprechen möchte. Die Ciellini beispielsweise als elegante Understatement-Variante, die Submariner als einer der klassischen Rolex-Uhren.

Prototyp einer Uhr die gleichzeitig Identitätsstifter ist: die Rolex Submariner

Alternativen zu Rolex Submariner
Quelle: Pixabay

Versucht man diese drei Merkmale auf eine Apple Smartwatch zu übertragen, so kann der erste Punkt „Image, Markenbekanntheit und -historie“ definitiv mit Ja beantwortet werden. Apple ist auf dem Global BrandIndex auf Position 6. Auch die Exklusivität ist, mit einem Einstiegspreis von 369€, teilweise gegeben. 

Der Grund warum das Potential von Smartwatches als Identitätsstifter jedoch quasi nicht vorhanden ist, liegt in der Marken- und Modellvielfalt. Anders als bei klassischen Armbanduhren erfolgt die Differenzierung von Smartwatches nahezu ausschließlich über die Funktionen. Apple dominiert den Markt aktuell, Samsung folgt abgeschlagen auf Platz 2.

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Aufgrund der hohen Entwicklungskosten ist es kaum vorstellbar, dass es zukünftig mehr als 4 Anbieter von Smartwatches gibt, deren Funktionen auf einem vergleichbaren Niveau sind. Zudem unterscheiden sich die Markenprofile von Samsung und Apple deutlich weniger als beispielsweise von Hublot und Jaeger-LeCoultre.

Smartwatches dienen somit nur als Gattung als Identitätsstifter und zeigen, dass der Träger modern und technikaffin ist, eine Differenzierung über Modelle oder Marken erfolgt hingegen nur sehr eingeschränkt.

Smartwaches setzen die Uhrenbranche mit Innovationsgeschwindigkeit unter Druck

Den Einfluss der Smartwatches auf die Uhrenbranche sehe ich vielmehr, wie eingangs erwähnt, in der Innovationsgeschwindigkeit begründet. Hiermit ist weniger die technische Innovation gemeint, wie beispielsweise das Integrieren der Telefonfunktionalität bei der Apple Watch Series 3, die die Smartwatch vom Telekom entkoppelt hat, sondern vielmehr die Neuerungen hinsichtlich Material und Verarbeitung.

Obwohl die Apple Watch einer klassischen Uhr rein funktional gesehen natürlich haushoch überlegen ist, liegt der eigentliche Einfluss auf klassische Automatikuhren stärker im Bereich Material und Verarbeitung

Darstellung der Funktionen einer Apple Watch 1
Quelle: Pressematerial Apple

Die erste Apple Watch wurde 2015 in Deutschland eingeführt und hat die klassische Uhrenbranche hinsichtlich des Finish des Gehäuses, im Besonderen aber im Hinblick auf die Armbänder, nachhaltig beeindruckt. Der renommierte Uhrenblog Hodinkee, der sich normalerweise auf hochpreisige automatische Uhren spezialisiert hat, zeigte sich begeistert von Design, Material und der einfachen Möglichkeit des Bandwechsels. Das Milanese-Armband findet besondere Erwähnung, aufgrund der Verarbeitungsqualität und des exzellent funktionierenden magnetischen Verschlusssystems, das um Klassen besser sei als das einer deutlich höherpreisigen Tissot-Uhr.

Apple Watch 3 Edition aus Keramik

Eine Apple Watch 3 aus Keramik
Quelle: Pressematerial Apple

Ausgehend von diesem sehr hohen Startniveau hat Apple sich jedes Jahr, mit jeder neuen Evolutionsstufe der Apple Watch, weiterentwickelt. Beispielsweise hat Apple mit der „Edition“ ein Modell der Series 3 im Portfolio, dessen Gehäuse aus Keramik ist. Das Finish dieses Gehäuses ist nach Expertenmeinung absolut ebenbürtig mit der Weltspitze die Marken wie zum Beispiel Audemars Piguet bilden.

Apple: In 3 Jahren in die Qualitäts-Champions League

In gerade einmal 3 Jahren hat Apple es also geschafft als absoluter Neueinsteiger auf dem Spitzenniveau anzukommen, was die verwendeten Materialien und die Verarbeitungsqualität angeht und so mechanische Teile, wie zum Beispiel das Milanese-Armband, geschaffen, die deutlich besser sind als die der höherpreisigen traditionellen Konkurrenz.

Wer sich näher mit der Tech-Branche beschäftigt, für den ist diese Geschwindigkeit natürlich nicht überraschend. Für die traditionelle Uhrenbranche jedoch ist dies nicht der Usus. Wenn man sich vor Augen hält, dass die bisherige Entwicklung nur drei Jahre gedauert hat, so wirft dies natürlich die spannende Frage auf, was in weiteren 3 Jahren in diesem Artikel stehen würde.

Nokia – einst ein Gigant, heute eher ein Zwerg. Bezeichnend für die Geschwindigkeit in der Tech-Branche. 

Nokia Gebäude Firma
Quelle: Pixabay

Diese Geschwindigkeit von Apple & Co erhöht natürlich den Druck auf die Konkurrenz aus der Schweiz extrem. Der Konsument sieht auf einmal, dass Apple es schafft eine perfekt verarbeitete Keramik-Variante seiner Uhr für „nur“ einen Aufpreis von 1.000€ anzubieten. Diesen Innovationsdruck, der schlußendlich von den Konsumenten ausgeht, spüren die traditionellen Platzhirsche bereits heute und als Folge dessen lassen sich drei Trends feststellen, die sich in den kommenden Jahren noch deutlich verstärken werden.

Trend zur Verwendung neuer Materialien

Der erste Trend der die klassische Uhrenbranche nachhaltig verändern wird, ist die Verwendung neuer Materialien. Stahl ist aktuell mit einem Marktanteil von über 50% deutlich dominant und trotz einer Keramik-Modewelle vor circa 5 Jahren, hat es kein anderes Material geschafft diese Stahl-Vorherrschaft auch nur ansatzweise zu reduzieren.

Grund hierfür waren bislang vor allem zwei Faktoren: Der Preis und die Qualität. Die Keramikwelle hat vor circa 5 Jahren auch mit einer ganzen Reihe minderer Qualität den Markt überschwemmt. Das angeblich deutlich kratzfestere Keramik war beispielsweise zu weich und hat dadurch schlechter in dieser Hinsicht abgeschnitten als Stahl.

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Der andere Faktor der den Keramik-Trend wieder erstickt hat war der Preis. Für eine exzellent verarbeitete Keramikuhr im Luxussegment musste der Kunde circa einen Aufpreis von 5.000€ gegenüber der Stahlvariante an der Ladentheke bezahlen. Mit diesem deutlichen Preisunterschied wurde Keramik also schlichtweg deutlich höher positioniert, anstatt zu einer ernsthaften Konkurrenz für Stahl zu werden.

Mit dem oben genannten Beispiel der Apple Watch Series 3 Edition hat Apple den traditionellen Uhrenherstellern die Grundlage genommen, hochwertige Keramikuhren preislich so exorbitant höher zu positionieren als die Stahl-Varianten. Doch das ist noch längst nicht alles was sich an der Materialfront tut.

Ein Uhrengehäuse-Klassiker neu entdeckt: Bronze

Beginnen wir zunächst mit einem persönlichen Favoriten: Bronze. Da es ein vergleichsweise weiches Metall ist, ist es in seiner Grundform nur sehr eingeschränkt für Uhrengehäuse geeignet. Dennoch hat die Uhrenindustrie eindrucksvoll bewiesen, dass sich selbst dieses wenig geeignete Grundmaterial durch Forschung in einen exzellenten Werkstoff verwandeln lässt.

Einer der Pioniere von Bronze-Uhren der Neuzeit, sprich des 20. Jahrhunderts, ist das Design-Genie Gérald Genta der unter anderem für die Royal Oak von Audemars Piguet maßgeblich verantwortlich ist. Er entwarf im Auftrag von Großwildjägern eine Uhr, bei der er Bronze aus rein praktischen Gründen einsetzte: Die potentielle Beute sollte auf keinen Fall durch einen reflektierenden Werkstoff auf den Jäger aufmerksam werden. Das Resultat dieses Auftrags war die 1988 erschienene Gefica.

"Wer seiner Zeit voraus ist, bleibt oft jahrelang außer Hörweite"
Robert Jungk

Anschließend schien der Werkstoff, zumindest für den Einsatz bei Luxusuhren, in Vergessenheit geraten zu sein, bis Panerai 2011 mit der „Bronzo“ das neue Bronze-Zeitalter einläutete und das Metall in die Moderne katapultierte. Der endgültige Wegbereiter für Bronze als Uhrenmaterial war dann die Tudor Black Bay Bronze. Hervorzuheben ist hier, dass Tudor eine Aluminium-Bronze Mischung verwendet. Diese Mischung verleiht Bronze eine ähnliche Dichte wie Stahl, macht es zudem leichter als reine Bronze und extrem korrosionsbeständig.

Tudor hat es also geschafft, die negativen Eigenschaften von Bronze zu eliminieren, aber die Eigenschaft, die Bronze-Liebhaber so schätzen, beizubehalten: die sichtbare Patina die Bronze nach einer Zeit entwickelt. Durch den Kontakt mit Sauerstoff entwickelt Bronze zwangsläufig eine Schicht die das darunter liegende Material vor weiterer Oxidation schützt und der Uhr eine ganz besondere optische Note verleiht. Die Bronze dunkelt nach und verleiht dem Gehäuse insgesamt einen wärmeren, schokoladigeren Farbton.

Ein besonders gelungenes Exemplar einer Bronze-Uhr: Die Tudor Black Bay Bronze

Uhr der Marke Tudor aus dem Material Bronze
Quelle: Pressematerial Tudor

Die oberhalb beschriebene Patina ist zwar der Grund warum Bronze von Fans so geliebt wird, zugleich aber auch die Ursache, dass Bronzeuhren einen begrenzten Markt haben. Auch wenn man Bronze nicht als High-Tech-Material bezeichnen kann, so ist der Einsatz in modernen Uhren jedoch ein gutes Beispiel dafür, wie ein fast vergessenes Material durch eine Weiterentwicklung in Form einer Legierung mit Aluminium wieder zum Leben erweckt werden kann.

Aus dem Rennsport an das Handgelenk: Karbon (und Graphen)

Ein Material welches im Gegensatz zu Bronze deutlich mehr High-Tech verkörpert ist Karbon. Seine Wurzeln hat Karbon vor allem im Renn- und im Segelsport. Zwei Sportarten die seit jeher einen engen Bezug zu der Uhrenbranche haben. Die Vorteile von Karbon liegen auf der Hand: es ist steifer als Stahl und zugleich deutlich leichter. Die Uhrenbranche hatte aber lange an einer Herausforderung zu knabbern: Karbon absolut wasserdicht zu verarbeiten.

Die Marke der dies als erstes gelang war Audemars Piguet, die sogenanntes „Forged Carbon“ verwenden. Hierbei handelt es sich um sehr kurze Carbon-Fasern die durch eine spezielle Behandlung mit Harz einfacher in Form gepresst werden können und darüber hinaus das Problem der Wasserbeständigkeit erfolgreich zu den Akten legen. Wie zu Beginn eines jeden Innovationszyklus ist aller Anfang nicht nur schwer, sondern im Fall von Audemars Piguet Uhren traditionell auch recht kostspielig.

Komplizierter Name, komplexes Material in der Verarbeitung – die Audemars Piguet Royal Oak Offshore Diver Forged Carbon aus Forged Carbon

Doch Carbon ist längst nicht mehr nur den absoluten Luxusuhren vorenthalten und dient als gutes Beispiel wie schnell die Materialforschung voranschreitet: 2017 hat Victorinox mit der I.N.O.X. Carbon eine Uhr aus Carbon vorgestellt, die weniger als 1.000€ kostet und extremsten Belastungen stand hält. Damit ist Carbon als Uhrenmaterial auch für den Otto-Normalverdiener in greifbare Nähe gerückt.

Nokia – einst ein Gigant, heute eher ein Zwerg. Bezeichnend für die Geschwindigkeit in der Tech-Branche. 

Modell INOX der Uhrenmarke Victorinox
Quelle: Pressematerial Victorinox

Am oberen Ende wiederum hat die Industrie längst ein neues Material für sich entdeckt: Graphen. Dieses Material besteht aus einer einzigen Atomlage Kohlenstoff, ist also nur zweidimensional. Das macht es sechs Mal so leicht wie Stahl aber 200 Mal so stabil. Kein Wunder also, dass Graphen den Ruf als neues „Wundermaterial“ trägt und die Forscher sich nicht weniger als eine Revolution in Branchen wie der Auto- oder Flugzeugindustrie erwarten.

Doch bevor wir Fahrzeuge aus Graphen auf unseren Straßen sehen, hat sich die Uhrenbranche dem Material angenommen. Der Schweizer Hersteller Richard Mille hat das Material für das Modell „RM 50-03 Tourbillon Split Seconds Chronograph Ultralight McLaren F1“ verwendet und so mit 40g den leichtesten Split-Seconds Chronographen aller Zeiten geschaffen. Mit über 900.000€ hat diese Uhr ein exorbitant hohes Preisschild, doch wer weiß: vielleicht hat Swatch, ganz nach dem Vorbild von Verinox, in 5 Jahren eine Uhr aus Graphen im Portfolio?

Ein beeindruckendes Stück Technik für Superreiche: die RM 50-03 Tourbillon Split Seconds Chronograph Ultralight McLaren F1

Titan, Ceratanium oder Aeronith - wem gehört die Zukunft?

Doch Karbon ist nicht der einzige Hoffnungsträger, wenn es darum geht Stahl dem Kampf um das Uhrengehäuse anzusagen. Zum einen wäre da Titan, das in industriellem Maßstab bislang hauptsächlich in der Raumfahrt Anwendung findet. Die Eigenschaften von Titan sind, mit Ausnahme der Anfälligkeit für Kratzer, Stahl in allen Belangen überlegen. Insbesondere das niedrige Gewicht ist wohl der Punkt der am meisten für Titan spricht. Der Grund warum Titan bislang vor allem in Luxusuhren zu finden ist, ist der Preis: Im Vergleich zu Stahl ist dieser circa um den Faktor 50 teurer. Das macht es im Vergleich zu Gold oder Platin immer noch günstig, aber eben noch nicht bereit für den Massenmarkt.

Eine mögliche Lösung für die oben erwähnte Anfälligkeit für Kratzer von Titan bietet die Kombination mit Keramik. Ein Pionier auf diesem Gebiet ist die Schweizer Uhrenmarke IWC die 2017 eine Sonderedition des Aquatimers anlässich des 50-jährigen Jubiläum auf den Markt gebracht hat, bei der das Gehäsematerial aus einer Titanlegierung mit einer keramischen Oberfläche gefertigt wurde. IWC spricht bei diesem Material von Ceratanium®.

Ein Blick in die Zukunft? Zenith Defy Lab aus Aeronith

Aeronith - Werkstoff der Zukunft
Quelle: Pressematerial Zenith

Während auf der einen Seite eifrig versucht wird bereits bekannte Werkstoffe wie Titan weiterzuentwickeln und für die Massenproduktion zugänglicher zu machen, wird an anderer Stelle bereits an zig neuen Materialien geforscht. Eines der vielversprechendsten davon ist Aeronith, das in der vielbeachteten Kleinserie Defy Lab von Zenith zum Einsatz kommt. Aeronith ist eine Mischung aus Aluminium und einem Polymer, der in das Aluminium injiziert wird. Dadurch wird ein geringeres Gewicht im Vergleich zu Karbon-Verbundstoffen erreicht bei einer extremen Widerstandsfähigkeit. In Serie ist das Material noch nicht zu bewundern, aber es sollte wohl bis spätestens 2019 dauern, bis Aeronith auch für die breite Masse zugänglich ist.

Materialforschung: Hohe Konkurrenz, ein Gewinner: der Kunde

Die oben angeführten Beispiele haben nicht den Anspruch die aktuellen Entwicklungen hinsichtlich der Materialforschung im Uhrenmarkt vollständig abzubilden. Und was sich in den geheimen Laboren dieser Welt tut, entzieht sich meiner Kenntnis natürlich vollständig. Aber eins ist klar: Die Konkurrenz ist groß und es gibt eine Vielzahl von Materialien die sich aufmachen den dominanten Status von Stahl zur Herstellung von Uhrengehäusen anzugreifen.

Welches Material hier am Ende die Nase vorne haben wird, lässt sich schwer voraussagen. Entscheidend dürften am Ende die Kosten und die Eignung für die Massenproduktion sein. Doch ganz egal welcher Uhren-Werkstoff sich durchsetzen wird, ein Gewinner steht bereits fest: der Kunde. Denn die Materialschlacht ist in vollem Gange und am Ende wird der Käufer von einem besseren Produkt profitieren.

Technik-Trend bei Automatikuhren

Ein weiterer Bereich der von dem Innovationsdruck, dem die Branche unterliegt, nicht unberührt bleiben wird, ist das Uhrwerk mechanischer Uhren. Ich beziehe mich an dieser Stelle bewusst auf Automatikuhren, denn die Technik von Quarzuhren ist meiner Einschätzung nach vollkommen ausgereift. In diesem Segment ist es wahrscheinlicher, dass eine vollständig neue Form des Uhrwerks das Segment der Quarzuhren durcheinander wirbelt. Ähnlich wie die Quarzuhr das einst mit den Automatikuhren gemacht hat.

Doch zurück zu dem eigentlichen Gegenstand der Betrachtung: den Automatikuhren. Mit Ausnahme von wenigen Beispielen, z.B. dem Swatch Sistem51, hat dieser Bereich in den letzten Jahren nicht mit Innovationen getrumpft, die für den Endkonsumenten auch spürbar waren.

Ein Blick in die Zukunft? Zenith Defy Lab aus Aeronith

Vorder und Rückseite einer Swatch Sistem51 Uhr
Quelle: Pressematerial Swatch

Sicherlich, im absoluten Spitzenbereich der Uhrmacherkunst werden Meisterwerke produziert, die einen voller Staunen zurücklassen. Aber hier geht es meist mehr darum möglichst viele und möglichst komplexe Komplikationen auf engstem Raum unterzubringen. Das eigentliche Grundprinzip und der Herstellungsprozess einer mechanischen Uhr bleibt dabei jedoch im Regelfall unangetastet.

Ein Beleg für diese These, dass die Welt der mechanischen Uhren arm an Innovationen ist die beim Normalverbauher ankommt, findet sich beim Blick auf die am meisten verwendeten Uhrenwerke. Die Brot und Butter-Automatikwerke, wie zum Beispiel das Kaliber ETA 7750, werden, mit minimalen Veränderungen, seit den 1970-er Jahren produziert. Hierfür sehe ich zwei Ursachen verantwortlich: Zum einen sind Automatikwerke, zumindest was traditionelle Herstellungsmethoden angeht, weitgehend ausgereizt, zum anderen fehlte durch den exorbitant hohen Marktanteil von ETA, Experten schätzen diesen über 70%, jeglicher Innovationsdruck.

Neue Materialien und Fertigungsmöglichkeiten eröffnen neue Horizonte

Nun stellt sich natürlich die Frage warum nach jahrelangem Quasi-Stillstand plötzlich eine Flut an Innovationen über die Liebhaber von Automatikuhren hereinbrechen sollte? Ein wesentlichen Grund, sehe ich wie bereits mehrfach erläutert, im Innovationsdruck durch die Smartwatches. Stellt diese Gattung selbst auch keine direkte Konkurrenz dar, setzt sie die traditionelle Branche jedoch mit ihren Entwicklungszyklen unter Druck. Damit richtet sie das Scheinwerfer Licht auf eine Branche, die über viele Jahre hinweg die Innovationsgeschwindigkeit selbst bestimmen konnte.

Der viel ausschlaggebende Punkt warum uns eine Technik-Revolution bei mechanischen Uhren bevorsteht, liegt jedoch schlicht und einfach in der Realisierbarkeit. Diese hängt im wesentlichen mit drei Faktoren zusammen: Auf der Hardware-Seite sind das neue Materialien die eingesetzt werden können und neue Fertigungsmechanismen die eine höhere Präzision bei der maschinellen Herstellung erlauben. Im Entwicklungsprozess selber spielt natürlich der Fortschritt von 3D- und Simulationssoftware, wie in vielen anderen Branchen auch, eine wesentliche Rolle, die den Entwicklungsprozess deutlich beschleunigen.

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Diese drei Komponenten, Material, neue Fertigungsmöglichkeiten und Rechenpower befinden sich in so einem fortgeschrittenen Stadium, dass dadurch Quantensprünge möglich sind, die die Welt der mechanischen Uhren in den kommenden 10 Jahren neu definieren wird.

Zenith Defy Lab: Das Uhrwerk neu erfunden

Die Innovationen die oben erwähnte Entwicklungen mit sich bringen, werde ich folgend an zwei Beispielen illustrieren, welche vermutlich nur ein Vorgeschmack sind, was in den kommenden Jahren noch folgen wird. Als erstes Exempel dient der Oszillator den Zenith mit der Konzeptuhr Defy Lab entwickelt hat.

Um diesen Oszillator zu erklären muss ich zunächst etwas ausholen. Im klassischen Uhrwerk bildet das Herzstück das Ankerrad, der Anker, die Unruh und die Unruhspirale. Hierfür werden im Normalfall über 30 Teile verbaut und an diesem grundlegenden Funktionsprinzip hat sich in den vergangenen 300 Jahren nichts geändert. Vor diesem Hintergrund wird noch deutlicher wie tiefgreifend die Entwicklung der Schweizer Uhrenmanufaktur Zenith ist.

Das Uhrwerk der Zenith Defy Lab

Uhrwerk welches in der Zenith Defy Lab verbaut ist
Quelle: Pressematerial Zenith

Das Ergebnis dieser Entwicklung von Zenith ist ein Bauteil welches lediglich 0,5mm hoch ist und damit nur ein Zehntel der Höhe eines traditionellen Regulierorgans hat. Dieses Bauteil ist aus einer speziellen Art von Silizium gefertigt und somit immun gegen Temperaturschwanken sowie Magnetismus. Neben der geringen Höhe, die völlig neue Möglichkeiten hinsichtlich des Designs eröffnet, kann das Konzept noch mit zwei weiteren Besonderheiten aufwarten.

Zum einen benötigt das System keine Schmierung mehr, was den Verschleiß deutlich positiv beeinflusst. Zum anderen beeindruckt die hohe Frequenz mit der die Defy Lab schwingt, nämlich 108.000 Halbschwingungen pro Stunde bei einer Amplitude von gerade einmal 6 Grad. Dies führt dazu, dass eine beeindruckende Ganggenauigkeit von 0,3 Sekunden Abweichung pro Tag erreicht wird. Und trotz dieser beeindruckenden Ganggenauigkeit, tut dies der Gangreserve keinen Abbruch: Diese liegt bei 60 Stunden und ist damit deutlich höher als im Zenith-Klasisker der „El Primero“.

Ein Wunderwerk der Technik in Nahaufnahme: Der Oszillator welcher in der Zenith Defy Lab verbaut ist

Modell Defy Lab von Zenith Bauteil
Quelle: Pressematerial Zenith

Dieser neu entwickelte Oszillator ist noch nicht in Serie zu bewundern aber Jean-Claude Biver, der CEO, hat dies für 2018 angekündigt in einer Uhr die preislich unter 10.000€ liegt. Mit diesem Preispunkt wird deutlich, dass das System keine Spielerei für Superreiche ist, sondern mittelfristig Standard in einer mechanischen Uhr, zumindest bei den Von Jean-Claude Biver verwalteten Marken ist. Neben dem geringeren Verschleiß und der Ganggenauigkeit wird der Endverbraucher vor allem von der geringeren Bauhöhe profitieren, die deutlich flachere und damit elegantere Gehäuseformen ermöglicht.

Ressence Type 2 e-Crown Concept: Das Beste aus zwei Welten

Als zweiten Vorboten für die Welle an technischen Innovationen die über die Uhrenbranche in den nächsten Jahren hereinbrechen wird, soll das Konzept Type 2 e-Crown der Marke Ressence dienen. Ressence ist eher in der Sparte Nischenhersteller einzuordnen, zumindest was die Anzahl der verkauften Uhren angeht, was aber sicherlich auch im Preis selbst begründet ist, der im mittleren 5-stelligen Eurobereich liegt.

Das Erstlingswerk der Marke Ressence: die Type 1

Ressence Type 1 auf Tisch
Quelle: Pressematerial Ressence

Die Radikalität mit der Ressence seine Visionen umsetzt, sucht meiner Einschätzung nach jedoch seinesgleichen in der Branche. Das erste Modell, Type 1, wartete mit einer völlig neuen Art der Zeitanzeige auf: drei Scheiben zum Anzeigen der Stunden, Tageszeit und Sekunden die auf dem umschließenden Minuten-Zifferblatt um sich rotieren. Was auf dem Papier kompliziert klingt, überzeugt am Handgelenk durch eine unglaubliche Simplizität und Eleganz. Eine weitere Besonderheit der Type 1 liegt in dem was nicht vorhanden ist: der Krone. Das Stellen der Uhr erfolgt über den Uhrboden.

Das Nachfolgemodell, die Type 3, bricht ebenfalls mit den Konventionen und verfügt über ein Zifferblatt das mit Öl gefüllt ist und so eine nie dagewesene Ablesbarkeit ermöglicht und nebenbei für einen optischen Effekt sorgt, der die mechanische Bauteile eins mit dem Uhrglas werden lässt.

Doch bevor ich weiter Zeilen voller Ehrfurcht über diese mutige Uhrenmarke fülle, kommen wird nun zum eigentlichen Gegenstand der Betrachtung: der Type 2 e-Crown Concept. Für diese Konzeptuhr hat sich Ressence niemand geringeren als Tony Fadell ins Boot geholt. Der Name sagt Ihnen vielleicht nichts, sicher jedoch die Produkte die aus seiner Hand stammen. Fadell gilt als gedanklicher Vater des iPods, hat die Firma Nest Labs, die sich mit moderner Heizungssteuerung beschäftigt, für über 3 Milliarden Dollar an Google verkauft und außerdem die Entwicklung der Datenbrille Google Glass geleitet.

Ressence Type 2 e-Crown: Ein Schmuckstück mit beeindruckender Technik

Kein Wunder also, dass aus dieser Kooperation ein bemerkenswertes Konzept hervorgegangen ist. Wie der Name bereits impliziert, verbindet die Type 2 e-Crown die Grundzüge einer mechanischen Uhr mit einer elektronischen Krone. Konkret bedeutet dies, dass mittels einer Samrtphone-App zwischen zwischen zwei Zeitzonen gewählt werden kann und sich die Uhr sogar nach Ende der Gangreserve wieder in die richtige Uhrzeit versetzen lässt.

Die Funktionsweise dahinter ist ebenso simpel wie genial. Der Mechanismus der für das Stellen des mechanischen Uhrwerks und die Kommunikation mit dem Smartphone zuständig ist, kann durch kinetische Energie, also durch das Tragen der Uhr am Handgelenk, aufgeladen werden. Fällt das Energielevel dieses Mechanismus unter 50%, öffnen sich zehn kleine Luken auf dem Zifferblatt, die das Sonnenlicht einströmen lassen und dieses mittels Solarzellen zur Energieversorgung nutzen.

Mit der Bezeichnung „das Beste aus zwei Welten“ wird ja oftmals inflationär umgegangen, aber bei dem Type 2 e-Crown Konzept trifft es wirklich zu. Das Herzstück einer Automatikuhr, das Uhrwerk, wurde nicht angetastet, sondern sinnvoll elektronisch erweitert. Und anstatt einen konventionellen Akku einzubauen der ein unpraktisches und, für eine mechanische Uhr unpassenden, Aufladen erfordert, wird auch hier auf kinetische Energiegewinnung bzw. Solarzellen zurückgegriffen. Somit ist diese Konzeptuhr ein Ausblick wie man zwei Techniken verbinden kann ohne dabei Kompromisse oder eine Verwässerung des grundlegenden Funktionsprinzips eingehen zu müssen.

Uhrentechnik: Evolution statt Revolution

Neue Materialien, computergestützte Entwicklung und neue Fertigungstechniken bieten grundsätzlich neue Möglichkeiten für die Uhrenindustrie. Wichtig ist hierbei, dass das Herzstück einer mechanischen Uhr, das Uhrwerk, weiterhin die zentrale Rolle spielt. Nur wenn die grundlegende Funktionsweise beibehalten wird, kann sich die Technik langfristig durchsetzen. Denn die Faszination von Automatikuhren besteht hauptsächlich darin, die vermeintlichen Nachteile eines mechanischen Uhrwerks durch ein minutiös abgestimmtes Zusammenspiel kleinster Bauteile auszugleichen. Eine Quarzuhr 2.0 kann und sollte nicht das Ziel sein. Die Zenith Defy Lab und die Ressence Type 2 e-Crown sind ein hervorragender Ausblick wohin die Reise für die Uhrenbranche gehen könnte.

Uhrendesign: Die neue Klassik

Der dritte große Trend der die Uhrenbranche in den kommenden Jahren prägen wird, neben neuen Materialien und einer Evolution der Technik, ist meiner Einschätzung nach eine deutlich größere Vielfalt was das Design der Uhren, insbesondere der Uhrengehäuse betrifft. In diesem Bereich hat in den letzten Jahren bereits eine große Entwicklung stattgefunden. Galt früher oft das Motto „je größer, je besser“ merkt man heutzutage ein neues Bewusstsein für Eleganz.

Dass das Motto „je größer, desto besser“ nicht mehr gilt, zeigt diese Panerai Luminor Due 3 Days Automatik Acciacio eindrucksvoll – mit für Panerai bescheidenen 38mm

Eine Uhr die diesen Trend für mich perfekt verkörpert, ist die Panerai Luminor Due 3 Days Automatik Acciacio 38mm. Panerai hat in der Vergangenheit wie keine andere Uhrmarke den Trend zu übergroßen Uhren verkörpert. Das ausgerechnet die italienische Marke, die sicherlich Mitbegründer dieses Trends war, jetzt eine Uhr mit unter 40mm Durchmesser im Aufgebot hat, kann man durchaus als Ausrufezeichen interpretieren. Vorbei also die Zeiten in denen die 47mm Panerai-Brummer von Stars, die nicht gerade für ihre filigrane Art bekannt sind, wie Sylvester Stallone oder Arnold Schwarzenegger, medienwirksam in Szene gesetzt wurden.

Dresswatches im Trend dank Daniel Wellington

Anhänger von Automatikuhren, deren Hersteller mit jahrzehntelanger Tradition und feinster Uhrwerkskunst werben, schauen oft mit leicht spöttischen Blick auf die Hersteller von Quarzuhren, insbesondere wenn man exakt das gleiche Modell an jedem zweiten Handgelenk findet.

Diese beiden Merkmale, ein Produkt für den Massenmarkt mit einem Quarzuhrwerk, treffen bei der schwedischen Marke Daniel Wellington zu 100% zu. Und auch ich muss gestehen, dass die Marke in meiner persönlichen Wahrnehmung in gleichem Maße gesunken ist, wie die Bekanntheit zugenommen hat. In den vergangenen 3 Jahren gab es wenig Möglichkeiten der Marke aus dem Weg zu gehen, sei es per Instagram-Influencern, Plakatwerbung von Kaufhausketten oder Verkaufsflächen in Einkaufszentren – Daniel Wellington war und ist wirklich überall präsent.

Begründer des neues Dresswatch-Hypes: Daniel Wellington Uhren

Daniel Wellington mit Tricolore Nato-Strao: Die Classic Cambridge
Quelle: Pressematerial Daniel Wellington

Doch wenn man die mediale Dauerbeschallung ausblendet und sich nur auf das Design fokussiert, bleibt eine gut designte, bezahlbare, klassische Dresswatch über. Und genau das haben die frühen Kunden an dieser Uhr auch geschätzt: Eine funktionale, elegante, flache Uhr die dem Gegenüber nicht auf den ersten Blick mit aller Macht ein Markenlogo und ein damit verbundenes Preisschild entgegengeschleudert hat. Nun, da Daniel Wellington selbst zur Marke geworden ist und ein eigenes Image aufgebaut hat, welches sehr jugendlich und lifestyle-fokussiert ausgerichtet ist, ist diese ursprüngliche Kaufmotivation natürlich weniger relevant geworden.

Was aber von dieser Entwicklung, die Daniel Wellington ausgelöst hat, bestehen bleibt und auch von den Platzhirschen der klassischen Uhrwelt aufgegriffen wird, ist ein Trend zu neuer Bescheidenheit in der Designsprache. Uhrenklassiker wie eine Rolex Submariner oder ein Patek Philippe Nautilus Chronograph sind hiervon sicherlich ausgeklammert, aber Uhrmarken die sich in der Vergangenheit vor allem durch ein wuchtiges, auffallendes Design ausgezeichnet haben, wie beispielsweise Hublot, sehe ich von dieser Entwicklung perspektivisch betroffen.

Auch Barack Obama ist überzeugter Träger: die Rolex Ciellini

Auch Barack Obama ist eine Fan der Rolex Ciellini
Quelle: Pressematerial Rolex

Eine Kollektion die diesen Trend vollends verkörpert ist die 2014 vorgestellte Cellini-Kollektion von Rolex. Bei ihrer Einführung auf der Baselworld 2014 war diese Serie sicherlich nicht der Star der Messe. Doch seitdem hat sie konstant an Anhängern und medialer Aufmerksamkeit gewonnen. Müsste man diese Entwicklung anhand eines spezifischen Zeitpunkts beschreiben, wäre das definitiv der Moment als Barack Obama, anders als seine Vorgänger und internationalen Amtskollegen, die üblicherweise Modelle wie eine Rolex Submariner oder Daytona tragen, mit einer weißgoldenen Rolex Cellini fotografiert wurde.

Für eine Breitling fast schon bescheiden: die neue Navitimer 8

Breitling Navitimer 8
Quelle: Pressematerial Breitling

Auch die neue Breitling Navitimer 8 Kollektion, ist ein deutlicher Beleg für die neue Zurückhaltung in der Branche. Fielen Breitling Uhren in den letzten Jahren vor allem durch große Gehäuse und zu überladene Zifferblätter auf, so besinnt man sich mit der neuen Kollektion wieder auf die deutlich eleganteren historischen Modelle zurück. Ich persönlich begrüße diesen Trend zu mehr Eleganz und weniger Protz sehr.

Fazit: Die Zukunft klassischer Uhren strahlt hell

Daniel Wellington haben mit dem minimalistischen Uhrendesign definitiv einen Trend ausgelöst. Die Uhren greifen Bauhaus-Designelemente wieder auf und machen diese dank des günstigen Preises für den Massenmarkt zugänglich. Die Qualität ist als dem Preissegment entsprechend zu bezeichnen, dank der wechselbaren Armbänder sind die Uhren echte Allrounder und sowohl für Freizeit als auch für Business der ideale Begleiter.

Ein Ausblick auf eine Branche zu geben die von so vielen externen Einflüssen abhängig ist, ist ein bisschen wie die Wettervorhersage: Die Präzision der Vorhersage nimmt mit zunehmendem Betrachtungszeitraum stark ab. Und obwohl es schwierig ist zu sagen, wie sich die Dinge genau entwickeln, so lässt sich doch zumindest eine klare Großwetterlage erkennen. Und in der Uhrenbranche zeigt diese eindeutig einen Wetterumschwung an. Die sich abzeichnenden Trends bezüglich Material, Technik und Design werden das vorherrschende Klima mit Sicherheit nachhaltig verändern.

Doch anders als beim Wetter gilt es nicht sich für die bevorstehenden Änderungen zu wappnen, den Ungemach droht meiner Einschätzung nach in keinem Fall. Ganz im Gegenteil: Derjenige der von diesen Veränderungen am meisten profitieren wird ist der Konsument – in Form von flacheren, raffinierteren und eleganteren Uhren!

Quellen:

https://www.ablogtowatch.com/watch-case-materials-explained-titanium/http://www.brandindex.com/ranking/2017-indexxhttps://www.focus.de/finanzen/experten/brunner/uhren-zenith-erfindet-in-der-defy-lab-das-uhrwerk-neu_id_7588260.htmlhttps://www.forbes.com/sites/carolbesler/2017/09/14/zeniths-new-super-oscillator-reinvents-the-mechanical-watch-movement/#7e4ca98e9278https://howtospendit.ft.com/watches-jewellery/119223-bronze-watches-for-menhttps://journal.hautehorlogerie.org/en/2017-in-watchmaking-innovation-and-creativity/https://press.iwc.com/httppressiwccomdas-erste-uhrengehause-aus-ceratanium/https://www.statisticbrain.com/wrist-watch-industry-statistics/https://www.watchtime.net/uhren/breitling-so-sieht-die-neue-navitimer-8-aus/https://www.watchtime.com/featured/whats-old-is-new-again-9-watches-with-bronze-cases/